::: offener brief des sanierungsbeirates :::

Da, trotz der Verteilung an die gesamte Tagespresse, dieser Brief nirgends auftaucht, so doch wenigstens hier:
Offener Brief des Sanierungsbeirats Altona-Altstadt zum IKEA-Fassadenwettbewerb
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Sanierungsbeirat Altona-Altstadt hat die in den Medien verbreitete Entwicklung zum IKEA-Fassadenwettbewerb mit Sorge zur Kenntnis genommen, wonach sich die Jury nicht hat einigen können und drei ausgewählte Entwürfe der Wettbewerbsteilnehmer zur Nachbearbeitung zurück gereicht hat. Auch ohne nähere Informationen zu diesen betreffenden Entwürfen glauben wir aus die-ser Entwicklung den Schluss ziehen zu können, dass es sich um drei sehr unterschiedliche Vorschläge gehandelt haben muss. Wenn wir hierzu zwei weitere bekannte Tatsachen berücksichtigen, nämlich zum einen, dass IKEA selbst im Rahmen ihrer Antragsunterlagen zum Bauvorbescheidsverfahren eine Gestaltung des geplanten Gebäudes im klassischen IKEA-blau-gelb vorgelegt hat und zum anderen, dass IKEA in der Jury des Fassadenwettbewerbs mit nicht unerheblichem Stimmanteil vertreten ist, befürchtet der Sanierungsbeirat, dass eine solch massive Gebäudegestaltung in blau/gelb weiterhin ernsthaft erwogen wird. Der Sanierungsbeirat sieht sich deshalb dringend veranlasst, nochmals auf die von ihm hierzu unterbreiteten Kriterien und Forderungen hinzuweisen, wonach sich der Gebäu-dekomplex in den vorhandenen Stadtraum einfügen und die Fassadengestaltung den besonderen Anforderungen an die Lage in der zentralen Fußgängerzone in Altona genügen muss. Hierzu gehört:
– vor allem der strenge Verzicht auf die Verwendung der Farben Blau und Gelb zur Fassadengestaltung, resp. eine Beschränkung solcher Farbgebung auf Logo und Werbetafeln, welche allerdings auf ein unvermeidliches Mindestmaß zu reduzieren sind,
– eine großzügige Öffnung der Fassaden zur Großen Bergstraße und Altonaer Poststraße hin, wobei die Fassade zum Lawetzweg keine „Rückfassade“ eines Gewerbebaus werden darf,
– eine vertikale Gliederung, welche die im Bestand vorherrschende kleinteilige Fassadengestaltung aufnimmt und dem – wie sich IKEA selbst gern auszudrücken pflegt – „Klotz“ eine deutlich reduzierte Wucht und Dominanz gegenüber dem übrigen Straßenbild vermittelt.
– Schließlich ist nach Auffassung des Sanierungsbeirats und insoweit im Einklang mit der For-mulierung des Bürgerentscheides eine nachhaltige Materialwahl unverzichtbar, welche geeignet ist, die jetzige Situation aufzuwerten (ähnlich der baulichen Einfügung des Mercado).
Diese Kriterien bilden das Konzentrat der Mindestvorstellungen der in den Sanierungsbeirat einmün-denden vielfältigen Initiativen, Gewerbetreibenden, Anwohnern und Anwohnerinnen im Gebiet. Die Wahlberechtigten des Bezirks haben durch Bürgerentscheid die Ansiedlung von IKEA ausdrücklich im Hinblick auf erwartete Belebung und Attraktivitätszuwachs der Großen Bergstrasse befürwortet. Es wäre sowohl politisch, als auch im Sinne der von IKEA betriebenen Akzeptanzbemühungen eine fata-le Fehleinschätzung, dieses Votum als Zustimmung oder auch nur als Bereitschaft zur Hinnahme ei-ner gewerblichen Fassadenarchitektur misszudeuten, die der typischen Corporate-Identity klassi-scher IKEA-Bauten in den gewerblichen Außenbezirken auch nur entlehnt wäre. Eine blau/gelbe oder auch sonst massige Gebäudegestaltung wollen die Betroffenen in Altona-Altstadt ausdrücklich nicht.
Wir appellieren deshalb nochmals dringend an alle Akteure des Fassadenwettbewerbs, das erhebli-che Ablehnungspotential bei den Betroffenen gegenüber klassischer IKEA-Architektur zu respektieren und eine städtebaulich verträgliche Architektur im Sinne der genannten Kriterien zu realisieren.
Gez. Die Mitglieder des Sanierungsbeirats Altona-Altstadt

::: grube und das milchmädchen :::

Hmm, so ganz verstehe ich die Logik dieser Rechnung nicht:
um nicht 1,4 Milliarden €  an Rückabwicklung auszugeben, sollen lieber zwischen 4-10 Milliarden Euro für S21, das letzte der  (Bahnhof)-21 Projekte ausgegeben werden… hat Hr. Grube sich das während eine Affäre mit einem Milchmädchen ausgerechnet ?

Sollte das Großprojekt kippen, würden allein für die Rückabwicklung der Grundstücksgeschäfte mit der Stadt Stuttgart, inklusive Zinszahlungen, 744 Millionen Euro fällig. Hinzu kämen Zahlungen für bereits rechtlich verbindlich abgeschlossene Bauverträge in Höhe von 240 Millionen Euro sowie Planungskosten für die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm von mehr als 170 Millionen Euro – macht zusammen mehr als 1,4 Milliarden Euro. Deshalb hat Bahn-Chef Rüdiger Grube betont, dass man das Projekt durchziehen wolle.

Quelle: Spiegel

oder hier:

Wie das Magazin Spiegel berichtet, könnte ein möglicher Baustopp die Bahn hohe Summen kosten. Zum einen müssten die Arbeiter und Maschinen weiter bezahlt werden. Zudem hätten Auftragnehmer die Möglichkeit, Verträge zu kündigen. Hinzu kämen rechtliche Unwägbarkeiten. Im Fall eines Baustopps bestehe die Gefahr, dass die Gegner des Bahnhofs per Klage die Planstellungsanträge für das Projekt kippen könnten. Insgesamt würden sich die Kosten für Abwicklung und bereits erfolgte Planungen auf 1,4 Milliarden Euro belaufen.

Quelle: Zeit.de

ist das ein geschickt lanciertes Stück Proaganda der #S21 Befürworter oder einfach Sachstand?

::: sparmassnahmen :::

Einige Leute aus dem Viertel wollten einige konstruktive Vorschläge zu den Sparmassnahmen machen. Hier ihr Sparkonzept:

Lieber Herr Bürgermeister Ahlhaus,

Wir – also engagierte Menschen des Gängeviertels, mit dem Sie in ihrer Antrittsrede so wohlfeil geworben haben – würden gerne unseren Teil leisten, um ihnen aus der Finanzmisere zu helfen:

1. Das Schauspielhaus kann gerne bei uns in der Theaterwerkstatt proben – vorausgesetzt es handelt sich um kleine Ensembles von maximal zwei Personen (für „Warten auf Godot“ also ideal). Die Aufführungen können in der „Fabrik“ im Erdgeschoss rechts stattfinden. Die maximal 50 Besucher, werden nach unserem ausgeklügelten „Theatrical Sharing System“ einzeln zur Spielstätte geleitet. Dadurch ist bei jedem Erlebnis-Event maximale Sicherheit und Effizienz gewährleistet. Dank dieser Maßnahmen entfallen die horrenden Kosten von 1,2 Millionen Euro für die Gebäude des Schauspielhauses. Und da Kost und Logis von uns übernommen werden, fallen auch die Personalkosten weg.

2. Die Exponate des Altonaer Museums würden wir nach einem ebenso ausgeklügelten „Timesharing-Prinzip“ in der „Puppenstube“ ausstellen, gelagert werden sie im Keller der „Druckerei“ neben den Drehsteifen, die ein sofortiges Einstürzen des Hauses verhindern. So etwas sorgt auch für die Sicherheit der Ausstellungsstücke, weil es die Diebe fernhält. Das Museum kann dann selbstverständlich geschlossen werden.

Sie sehen also: Bereits die simple Freigabe der Gebäude im Gängeviertel durch das Bauprüfungsamt würde diesen Rettungsplan verwirklichen.

Aber bitte erlauben Sie uns, noch einige weitere Vorschläge zu machen:

Verzichten Sie auf die Elbpromenade. So sparen sie auf einen Schlag 30 Millionen Euro, die frei wären für Wichtigeres. Zur Verdeutlichung: Die geplante Länge der Promenade beträgt 600 Meter. Der Zuschuss für das Schauspielhaus wären also 24 Meter – sagen wir: 120 Meter für fünf Jahre. Das ganze Gängeviertel würde ein bisschen mehr als die Hälfte kosten (350 Meter) und das Altonaer Museum bekommt die restlichen 130 Meter Geld. Somit wären diese Kostenpunkte alle abgedeckt. So einfach ist das.

Mit freundlichem Gruß,
Hilfsbereite Bürger aus dem Gängeviertel

::: gängeviertel geschlossen :::

Grade auf der Gängeviertelseite gefunden:

Kunst im öffentlichen Raum

Hallo werte Mitbürger,

Sie stehen draußen und kommen nicht rein?    Sie wundern sich?    Wir auch!

Seit August 2009 setzt sich die Initiative KOMM IN DIE GÄNGE für „ordnungsgemäße Zustände“ ein, indem wir den Leerstand beendeten und die Häuser winterfest gemacht haben.  Wir haben die Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht als Plattform für Kultur und Diskussionen über die Entwicklung der Stadt, als Ort der Produktion und Reflexion. Durch die dankenswerte Hilfe vieler HamburgerInnen, sowie Experten aus dem In- und Ausland ist so ein sinnvolles, notwendiges Stück Hamburg entstanden. Das Hamburger Bauprüfamt ist anderer Meinung und hat uns bis auf alle reinen Kunstausstellungen die weitere Nutzung untersagt. Unser Begriff von Kultur geht darüber jedoch weit hinaus.

Solidarisch schließen wir deshalb nun unsere Ausstellungen.


Keiner von uns und unseren Besuchern darf hier zu Schaden kommen, dafür haben wir immer Sorge getragen. Das Viertel befindet sich in ständiger Weiterentwicklung, die derzeitige Situation ist vorläufig. Wir haben bereits auf eigene Kosten Brand- und Schallschutzvorrichtungen installiert. Wir sind dabei, das Gängeviertel in einen „ordnungsgemäßen Zustand“ zu versetzen und bauliche Mängel zu beseitigen. Daran wollen wir weiter arbeiten – und das gerne in verständnisvoller Zusammenarbeit mit der Bauprüfbehörde.

Doch den Häusern bleibt nicht mehr viel Zeit.

Unser Nutzungskonzept steht. Wir warten.

Wir fordern die Bauprüfbehörde zu mehr Verständnis für unsere Situation und die Stadt Hamburg zu mehr Kreativität und zu aktiver Zusammenarbeit auf. Die Stadt Hamburg hat den Ermessensspielraum nicht kreativ genutzt sondern restriktiv interpretiert. Diese Denkstruktur der Hamburger Verwaltung auf andere kulturelle Flächen übertragen,würde in der Konsequenz bedeuten, die Dresdener Frauenkirche wieder zu einereingezäunten Ruine zurück zu bauen. Die Semperoper muss wieder Ochsenwiese werden, das Heidelberger Schloss wird sofort abgerissen, die Innenstadt von Lübeck geräumt und für jeden Publikumsverkehr geschlossen. An Lüneburg darf nur noch in 50 km Abstand vorbeigefahren werden und Quedlinburg wird sofort entkernt und anschließend mit Beton verfüllt – soweit es nicht abgerissen werden muss: Die Menschen sind umgehend anderweitig unterzubringen.

Die in der Studie der BSU geforderten „Kreativen Milieus“ werden in Hamburg als
Selbstbedienungsladen für die städtischen Verantwortlichen begriffen.
Kreativität besteht im Wesentlichen aber aus dem Dialog. Auch und gerade die Verwaltung ist hier aufgefordert einen konstruktiven Umgang zu kultivieren. Dass sie dazu in der Lage ist, können wir ja bei vielen Bauprojekten in Hamburg erkennen, wo der steingewordenen, kommerziellen „Kreativität“ kaum Grenzen gesetzt sind und die Menschen sich fragen, wie das denn überhaupt jemals genehmigt werden konnte.Wir lassen uns von dieser restriktiven, politischen Praxis nicht entmutigen….

Wir machen weiter!   Wir gehen in den öffentlichen Raum!

Jetzt kommen wir erst recht  in alle Gänge!

Quelle: Das Gängeviertel